Nebennierenschwäche / adrenal fatigue

Unsere Nebennieren sind die Hauptproduzenten von Stresshormonen in unserem Körper. Sie regulieren damit unsere Anpassung an Stress und Belastungen. Müssen sie über einen längeren Zeitraum auf Vollgas laufen, kann es zu einer Erschöpfung der Nebennieren und einer zu niedrigen Ausschüttung von bestimmten Hormonen kommen. Müdigkeit, Erschöpfung, Ausgebranntsein, Konzentrationsstörung und Depression sind dann die Hauptsymptome. Insbesondere bei Erschöpfung nach längerem starken Stress (Diagnose hier häufig Burn-Out), sportlichen Extrembelastungen, Infektionen und chronischen Krankheiten sollten die kleinen Hormondrüsen unbedingt Beachtung finden. Genaueres erfahrt Ihr hier. 

was sind die nebennieren?

Die Nebennieren sind Hormondrüsen, welche auf unseren Nieren sitzen. Sie produzieren über 50 wichtige Hormone, darunter die sogenannten Stresshormone Cortisol und DHEA, sowie Adrenalin und Noradrenalin. Erstere werden in der Nebennierenrinde produziert, Letztere im Nebennierenmark. 

 

Diese Stresshormone sind, neben zahlreichen weiteren Funktionen, für die Adaption des Körpers an und Reaktion des Körpers auf Stress zuständig. Ein kurzer Überblick über die oben genannten:

 

Der normale Cortisol Tagesverlauf
Der normale Cortisol Tagesverlauf

Cortisol ist je nach Tageszeit unterschiedlich hoch im Körper vorhanden. Morgens um ca. 8.00 Uhr erreicht die Produktion den sogenannten Peak, um dann im Verlauf des Tages immer weiter abzunehmen und spätabends/nachts das Minimum zu erreichen. Erfährt man Stress, wird vermehrt Cortisol gebildet. Es hemmt Entzündungs-prozesse, reguliert den Blutzucker-spiegel als Gegenspieler zu Insulin (bei Stress wird mehr Blutzucker zur Verfügung gestellt) und unterdrückt gewisse Immunvorgänge, z.B. Autoimmun-prozesse. 

 

Das Steroidhormon DHEA ist der Gegenspieler des Cortisols und wirkt als Antistresshormon. Während Cortisol bei Stress Energie zur Verfügung stellt, drosselt DHEA diese in entspannten Phasen. Auch auf Grund dessen ist es sehr wichtig für eine ausreichende Stresstoleranz und optimale Regulierung des Stoffwechsels. Es spielt außerdem eine Rolle beim Abbau vom Fettgewebe und der Regulation des Körpergewichts, verbessert die Immunabwehr und dient als Vorstufe anderer Hormone. 

 

Die beiden Hormone und Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin werden in akuten Stresssituationen ausgeschüttet und versetzen den Körper in Alarmbereitschaft - den sogenannten "fight or flight" Modus. Der Stoffwechsel fährt hoch, der Herzschlag erhöht sich und die Atmung wird schneller. Der Organismus wird mit mehr Sauerstoff geflutet, wir werden leistungsfähiger. Dies kann häufig als positives Gefühl wahrgenommen werden und klingt der Stress rechtzeitig wieder ab, setzt durch die Freisetzung von Dopamin ein Belohnungs- und Glücksgefühl ein. 

ursachen einer Nebennierenschwäche

Ihr habt oben erfahren, dass die Nebenniere unter anderem für die Anpassung an Stress zuständig ist. Nun war Stress schon immer ein natürlicher Begleiter unserer Spezies und hat, in seiner natürlichen Form, durchaus evolutionär

gewollte, positive Auswirkungen, welche unser Überleben sichern bzw. sicherten und uns leistungsfähiger machen. 

 

Problematisch und unnatürlich wird es jedoch, wenn Stress chronisch wird und nicht mehr häufig genug abklingt. Die Nebenniere produziert dann immer mehr Cortisol, um dem Stress angemessen zu entgegnen. Der Körper läuft auf Hochtouren und kann damit die Belastung eine ganze Weile kompensieren. Irgendwann jedoch schafft er es nicht mehr, die Nebenniere ist erschöpft, die Produktion von Stresshormonen damit ebenfalls. Man fällt in ein tiefes Leistungsloch. 

 

Wichtig ist, dass dabei nicht nur psychischer Stress wie Überarbeitung im Job, Deadlines, negative Gedanken, Wut, etc. eine Rolle spielen, sonder vor Allem auch körperlicher Stress. So setzen chronische bakterielle, virale und Pilz-Infektionen den Körper unter Dauerstress, welchen die Nebenniere durchgehend regulieren muss. Auch chronische Entzündungen, Darmprobleme (z.B. leaky gut) und eine Belastung mit Umweltgiften stressen den Körper dauerhaft.

 

Die Nebenniere sollte daher bei solchen Erkrankungen immer als Begleiter-scheinung beachtet und ggf. behandelt werden. 

Symptome einer Nebennierenschwäche

Die Symptome einer Nebennierenschwäche sind sehr vielseitig und können so auch häufig anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden. Weil die Neben-nierenschwäche in der Schulmedizin noch kaum angekommen ist, wird sie daher häufig übersehen. 

 

Typische Symptome:

 

  • Müdigkeit und Erschöpfung, insbesondere am Morgen und Nachmittag
  • geringere Stresstoleranz, Zittern bei Stress, Burn-Out 
  • "Abhängigkeit" von Kaffee, Tee oder anderen Stimulanzien, um durch den Tag zu kommen
  • erhöhte Infektanfälligkeit, Allergien
  • mangelnde Konzentrations- und Merkfähigkeit, brain fog
  • niedrige Körpertemperatur, häufiges Frieren
  • Heißhunger, niedriger Blutzucker, Hypoglykämie 
  • leichte Depression, Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken 
  • Nervosität 
  • Verdauungsstörungen
  • geringe Libido
  • Besserung der Symptome nach Mahlzeiten, bei Stressvermeidung (z.B. im Urlaub), im Sitzen und Liegen

diagnose einer Nebennierenschwäche

Sofern daran gedacht wird, ist eine Nebennierenschwäche relativ einfach und günstig zu diagnostizieren. Es erfolgt vorzugsweise über die Bestimmung von Cortisol und DHEA im Speichel, über einen Zeitraum von 24 h. Preislich liegt die Untersuchung bei ca. 60 bis 70 €. Ihr könnt dies bei einem guten Heilpraktiker oder ganzheitlich arbeitenden Mediziner durchführen lassen. Beachtet werden sollte bei der Interpretation des Befundes auch Euer Alter und Geschlecht. Für junge Menschen sind unten stehende Beispielwerte zum Beispiel ziemlich grenzwertig. 

 

Die linke Grafik zeigt eine beispielhafte 24 h Bestimmung von Cortisol und DHEA im Speichel, auf der rechten Grafik sieht man den Optimalverlauf der Kurve
Die linke Grafik zeigt eine beispielhafte 24 h Bestimmung von Cortisol und DHEA im Speichel, auf der rechten Grafik sieht man den Optimalverlauf der Kurve

 

Wie Ihr aus diesem Artikel entnehmen könnt, ist eine Schwäche Eurer Nebenniere im Kontext Müdigkeit und Erschöpfung ein präsentes Thema. Dabei kann sie die alleinige Ursache Eures Energiemangels sein, im Regelfall liegt sie aber in einer Kombination von Ursachen vor, welche wiederum die Nebenniere geschwächt haben, so z.B. eine lang anhaltende Candida Infektion des Darms. 

 

Wie Ihr Eure Nebenniere regenerieren und stärken könnt werde ich Euch im nächsten Eintrag erklären. Sicher ist, dass es Euch Euer kompletter Organismus danken wird, wenn er wieder in hormoneller Balance und resistenter gegen Stress ist.