Mitochondrientherapie - die Mitochondrien stärken

Eine geschwächte Energiegewinnung in den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen, macht müde und erschöpft. Doch nicht nur das - vielmehr sind nahezu alle unsere Körpersysteme, welche ATP benötigen, von der verringerten Energiesynthese beeinträchtigt, insbesondere Nervensystem, Immunsystem, Verdauungssystem, Lymphsystem, Gehirn und Leber. Hierdurch können sich folglich neben Müdigkeit zahlreiche weitere Symptome manifestieren und es kann, unbehandelt, zu ernsthaften Erkrankungen kommen (siehe hierzu meinen Artikel Störung der Mitochondrien als Ursache für chronische Erschöpfung).

 

Seit einiger Zeit tue ich alles dafür, meine Mitochondrien wieder auf Vordermann zu bringen. Wie auch Ihr Eure Energiekraftwerke wieder zum Laufen bringt und wie davon Eure gesamte Gesundheit profitiert, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

 

Die Säulen einer Mitochondrientherapie

1. Ursache(n) beseitigen

 

Zunächst ist es wichtig, diejenigen Faktoren zu beseitigen, welche Eure Mitochondrien beeinträchtigen. Dies sind solche, die in Eurem Körper oxidativen und nitrosativen Stress auslösen, welcher Eure Mitochondrien sehr schädigt (zahlreiche Faktoren findet Ihr in Teil 1 dieses Beitrags), weiter z.B. eine Darmdysbiose, Umweltgifte wie Schwermetalle, Pestizide oder Formaldehyd. 

 

Sind Eure Mitochondrien bereits stark geschwächt, kann es sein, dass diese zunächst etwas Stärkung benötigen, bevor etwa mit einer spezifischen Entgiftung angefangen werden kann, da auch hier der Körper ausreichend Energie benötigt. Außerdem wirkt bereits die Mitochondrientherapie entgiftend.

 

Es kann allerdings auch sein, dass die Ursache(n) der Mitochondrienschädigung bereits beendet ist, sich die negative Stoffwechsellage jedoch verselbstständigt fortführt. Ohne gezielte Intervention ist sie nur schwer wieder zu bremsen.

 

2. Ernährung 

 

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Die richtige Ernährung ist eines der zentralen Elemente, um Eure Mitochondrien zu stärken. Wie Ihr bereits erfahren habt, wird die Energie, aus welcher die Mitochondrien ATP herstellen, aus den Kohlenhydraten und Fetten unserer Nahrung gewonnen. Energie aus Kohlenhydraten ist dabei jedoch weniger nachhaltig, sie sorgen nur für eine kürzere Sättigung und lassen den Blutzuckerspiegel schwanken. Außerdem fallen bei der Verwertung von Kohlenhydraten vermehrt freie Radikale (ROS) an, gegen welche die Mitochondrien sehr empfindlich sind. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass der übermäßige Verzehr von insbesondere kurzkettigen Kohlenhydraten in unserer Gesellschaft die Hauptursache für diverse Volkskrankheiten ist. "Zucker macht krank", das ist sogar schon in der Tagespolitik angekommen.

 

Bei bereits geschwächten Mitochondrien liegt häufig eine Störung der Kohlenhydratverwertung vor. Typisch hierfür sind regelmäßiges Verlangen nach Süßem, Heißhungerattacken, sog. "cravings", starke Müdigkeit nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten und Gewichtszunahme (insbesondere am Bauch). Dies zeigt, dass Eure Energieverwertung aus Glucose am (bzw. über dem) Limit ist. 

 

Um Eure Mitochondrien zu regenerieren ist es daher essentiell, die Menge an Kohlenhydraten in Eurer Ernährung zu reduzieren und kurzkettige Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index komplett zu eliminieren. Zu letzteren gehören jegliche Form von Zucker, Weißmehl (Brot, Nudeln), Alkohol, Kartoffeln, weißer Reis, etc. Sie sollten durch komplexe Kohlenhydrate wie Gemüse, (wenig) Obst, Vollkorn, Süßkartoffeln, Hülsenfrüchte, Quinoa, Amaranth, Hirse usw. ersetzt werden. 

 

Hierdurch fehlende Kalorien müssen dann insbesondere durch gute Fette kompensiert werden, welche ebenso als Energiequelle dienen. Am besten geeignet sind hierzu etwa Kokosöl, Butter von grasgefütterten Kühen, Olivenöl, Fleisch, Fisch, Avocado, Nüsse, Eier, MCT-Öl und in geringen Mengen andere Pflanzenöle, z.B. Leinöl. 

 

Ihr solltet dabei so oft wie möglich bio Lebensmittel verwenden und möglichst "clean" essen. Dies bedeutet, Lebensmittel aus frischen Produkten zuzubereiten und auf stark verarbeitete Lebensmittel und Fertiggerichte zu verzichten. Pestizide und chemische Zusatzstoffe sind Gift für Eure ohnehin schon geschwächten Mitochondrien!

 

Verschiedene Ernährungsformen sollen die Mitochondrien boosten:

 

- Low Carb/Ketogene Diät

 

- Paleo

 

- LOGI-Kost nach Dr. Bodo Kuklinski

 

Man könnte zu jeder mehrere Seiten schreiben, hier soll jedoch eine sehr kompakte Beschreibung genügen, um Euch einen Überblick zu verschaffen. Wichtig ist, dass jeder Mensch verschieden ist und daher nicht jede Ernährungsform passend. So wiege ich bei etwa 180 cm Körpergröße immer nur 60-65 kg und konnte selbst bei hartem Krafttraining und 3000kcal am Tag vor meiner Erschöpfungsperiode nicht wirklich Gewicht zulegen. Als ich im Rahmen meiner Mitochondrientherapie Carbs stark einschränkte, nahm ich locker 5 kg ab und hatte noch weniger Energie. Typischerweise ist dies aber der Sonderfall und Menschen mit geschwächten Mitochondrien neigen eher zu Übergewicht, sodass die hier beschriebene Ernährung fast immer Sinn macht.

 

Low Carb/Ketogene Diät

 

Low Carb und Ketogene Diät zielen beide auf eine strikte Einschränkung von Kohlenhydraten ab. Dabei dürfen bei der Low Carb Diät nicht mehr als 150 g Carbs pro Tag gegessen werden, diese vorwiegend aus Gemüse, Obst mit geringem Fruktosegehalt, Hülsenfrüchten und wenig Vollkorn (ggf. glutenfrei). Bei der immer mehr gehypten Keto-Diät muss die Zufuhr von Carbs auf allerhöchstens 50 g pro Tag beschränkt werden. Hierdurch gelangt der Körper in die sogenannte Ketose und muss auf Fettsäuren als Energiequelle zurückgreifen. 

 

Paleo

 

Bei Paleo handelt es sich kurz gesagt um Steinzeiternährung in der Moderne. Alles, was in der Altsteinzeit gesammelt, gejagt und verzehrt wurde, ist erlaubt. So stehen insbesondere Gemüse und Obst, Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse und Samen auf dem Speiseplan. Raffinierter Zucker, Getreide, Milchprodukte und jegliche verarbeiteten Lebensmittel sind tabu. Carbs sind hier quasi von Haus aus eingeschränkt.

 

LOGI-Kost 

 

Bei der LOGI-Kost handelt es sich um eine von Dr. Kuklinski entwickelte Mitochondrienkost. Sie ist etwas moderater als die oben genannten Ernährungsformen. Es dürfen nur Lebensmittel mit niedrigem glykämischem Index (keine kurzen Kohlenhydrate) gegessen werden und komplexe Carbs werden auf 20-30 % der Tageskalorien reduziert. Nähere Infos zur LOGI-Kost und Mitochondriopathie findet Ihr in Dr. Kuklinskis sehr gutem Buch "Mitochondrientherapie - die Alternative". 

 

Fasten

 

Wissentlich nicht unter "Ernährungsformen", sondern als eigenen Punkt aufgeführt, ist Fasten eine willkommene Kur für die Mitos, teilweise ein regelrechter "Reset". Dies insbesondere durch eine Hemmung der Glucoseverwertung und der Verwendung von körpereigenem Fett als Energieträger. Auch das Entzündungsgeschehen im Körper wird sehr positiv beeinflusst, wodurch die Mitochondrien regenerieren können. 

 

Wer nicht unter fachkundiger Aufsicht länger fasten möchte, kann sich auch das sog. intermittierende Fasten zu nutze machen. Dabei werden etwa 1 oder 2 Tage pro Woche gefastet oder mehrere Tage pro Woche über einen bestimmten Zeitraum (meist 12 - 18 Stunden) nichts gegessen. Dies liefert ähnliche Vorteile wie das längere Fasten, allerdings ohne starke Einschränkung der Kalorienzufuhr. 

 

2. Bewegung

 

Um Euch zu bewegen benötigt Ihr Eure Mitochondrien, da sie Euren "Treibstoff" ATP herstellen - Eure Mitochondrien wiederum benötigen Bewegung. Sie sind sehr sensibel und reagieren somit schnell auf Umwelteinflüsse und einen aktiven Lifestyle. Durch einen solchen fährt der Stoffwechsel hoch, die Mitochondrien werden zur Vermehrung angeregt (sog. Biogenese) und alte Mitochondrien werden entsorgt. Umso mehr, wenn die Bewegung an frischer Luft stattfindet. Bleibt Ihr im Sessel sitzen, verringert sich die Anzahl Eurer Mitochondrien relativ schnell und damit auch Euer Energielevel.

 

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Bewegung an der frischen Luft ist ideal um Eure Mitochondrienzahl zu erhöhen - und noch viel mehr

 

Besonders gut zur Stärkung und Vermehrung Eurer Mitochondrien eignen sich moderater Ausdauersport wie Joggen, Radfahren, Inlineskaten, Rudern, Wandern und Nordic Walking. Hier wird Euer Körper ideal mit Sauerstoff versorgt, Mitochondrien in den Muskeln und auch im Gehirn werden vermehren sich.  Auch Krafttraining hat einen äußerst positiven Effekt auf Eure Zellkraftwerke. Genannt wird hier häufig HIIT, eine besonders intensive und kurze Trainingsform. Auch moderates Krafttraining wirkt sich positiv aus.

 

Wichtig ist generell, dass Ihr es beim Sport nicht übertreibt. Es gilt: Genauso gesund wie moderate Bewegung für Euer Energielevel ist, so schädlich kann übermäßiges Training für Eure Mitochondrien sein. Auch adäquates Regenerieren nach dem Training ist genauso wichtig wie das Training selbst.

 

Aber Vorsicht: Sind die Mitochondrien bereits stark beeinträchtigt, wie z.B. bei CFS, kann für oben genannte sportliche Aktivitäten nicht mehr genügend Energie produziert werden. Anfangs sind sie trotz Erschöpfung häufig noch möglich, jedoch fällt der Körper in ein Energiedefizit – der Batterie wird mehr Energie entzogen als sie besitzt. Dies rächt sich dann 1-2 Tage später mit starken Leistungseinbrüchen, Bettlägerigkeit und genereller Zunahme der meisten Symptome. Ähnlich war es bei mir. Ich versuchte, noch etwa 2 Jahre durch Sport (teils sehr intensive Belastungen) gegen meine Erschöpfung anzukämpfen und sah es nicht ein, zu verzichten, landetet jedoch immer wieder im Bett. Im Nachhinein sicher nicht besonders förderlich.

 

Daher: je erschöpfter Ihr Euch fühlt, desto moderater sollte die Bewegung ausfallen. Fangt einfach mit 10 min flottem Spazieren am Tag an, schaut wie es Euch bekommt und steigert Euch langsam und nachhaltig, ohne danach die „Rechnung“ für übermäßige Belastung zu erhalten.

 

3. Entspannung

 

Das Leben ist ein Gleichgewicht, jeder Mensch braucht in individuellem Maße Entspannung. So auch Eure Mitochondrien.

 

Insbesondere wenn diese bereits beeinträchtigt sind, müsst Ihr unbedingt auf ausreichende Auszeiten achten, um zu regenerieren. Wichtig ist, dass Körper und Geist hierbei zu Ruhe kommen. Hierzu sind Methoden wie Meditation, Yoga, progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Spazieren besonders geeignet. Meistens hat jeder so seine persönliche Art, zu entspannen. Erlaubt und erwünscht ist, was funktioniert. (Zu meinen sehr positiven Erfahrungen mit Meditation werde ich bald noch einen Bericht verfassen. Bleibt dran.) 

 

Auch hier bestehen jedoch Schwierigkeiten, wenn die Mitochondrienschädigung eine gewisse Schwelle überschritten hat. Aufgrund des Energiemangels sind Körper und Geist unter Spannung, kommen in den Fluchtmodus, die Gedanken kreisen. Hier sind oben genannte Methoden umso wichtiger, um dennoch in eine echte Entspannung zu gelangen.

 

4. Schlaf

 

Parallel zur Entspannung solltet Ihr unbedingt für gute Schlafqualität sorgen, damit der Körper auch hier optimal regenerieren kann. Ein paar klassische Tipps, die bei mir gut funktionieren:

 

  • Sorgt für ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer. Zwischen 15 und 19 Grad schläft man am besten. Also: Heizung aus und Fenster auf.
  • Findet Einschlafrituale. Der Körper ist ein Gewohnheitstier. Meditiert nochmal, macht Euch einen Abendtee (ich nehme gerne Lavendel), schaut etwas Entspannendes auf Netflix oder im TV
  • Verzichtet auf Elektrogeräte im Schlafzimmer und schaltet Euer Smartphone frühzeitig aus. Der Blaulichtanteil der Displays stört die Produktion Eures Schlafhormons Melatonin
  • Lasst jegliche Form von Stress und Grübeleien an der Bettkante zurück
  • Bewegt Euch täglich an der frischen Luft
  • Besorgt Euch ein passendes Nackenkissen und eine für Eure Statur geeignete Matratze (die Wirbelsäule sollte eine waagerechte Linie bilden). Insbesondere bei HWS-Instabilität.
  • Esst ggf. noch eine Kombination aus Fett und komplexen Kohlenhydraten vor dem Schlafengehen, z.B. ein Vollkornbrot mit Butter. Hungrig ins Bett endet im nächtlichen Energiemangel der Mitochondrien. Darunter leiden Schlaf und der nächste Morgen.
  • Supplements wie Tryptophan, Melatonin, Glutamin können ebenfalls helfen. Melatonin kann bei längerer Einnahme zu einer Gewöhnung führen und ist daher meistens nur rezeptpflichtig erhältlich. Bei Tryptophan, der Aminosäure aus welcher Melatonin synthetisiert wird, kann es zu keiner Gewöhnung kommen. Hier muss der Körper die Umwandlung allerdings selbst vornehmen.

 

5. Supplements für Eure Mitochondrien 

 

Nahrungsergänzungsmittel, welche für mehr Energie sorgen sollen, gibt es wie Sand am Meer. Leider sind die Qualitätsunterschiede und damit Wirkung bzw. Aufnahme und Verwendung im Körper enorm. Diesem Thema werde ich demnächst einen eigenen Artikel widmen, damit Ihr qualitativ die "Spreu vom Weizen" trennen könnt und Euer Geld nicht nutzlos ausgebt oder Euch sogar schadet. Entscheidet Euch für möglichst reine, qualitativ hochwertige und daher meist etwas teurere Produkte. Doch zurück zum Thema. Folgende Supplements tragen dazu bei, Eure Energiegewinnung in den Mitochondrien zu optimieren:

 

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Die Auswahl an Nahrungsergänzung ist riesig - wie Ihr die Spreu vom Weizen trennt und Eure Mitochondrien unterstützt erfahrt Ihr hier.

Basisversorgung der mitochondrien

a) Mineralien und Spurenelemente 

 

Mineralien und Spurenelemente sind an zahlreichen Reaktionen der Energiegewinnung beteiligt. Wichtig sind hier:

 

  • Magnesium

 

Sehr wichtig insbesondere bei Stress, Nervosität und innerer Unruhe, Anspannung, Muskelzucken, Muskelkrämpfen, Einschlafproblemen, Herzrhythmusstörungen und Kopfschmerzen. Häufig Mangelversorgung z.B. aufgrund von Stress, Übersäuerung, Medikamenten, Störung der Darmflora, calciumüberschüssiger Ernährung (z.B. Milchprodukte), magnesiumarmen Böden und Kunstdünger, heutiger Zubereitung von Lebensmitteln.

 

Außerdem: 

 

  • Kalium
  • Zink
  • Eisen
  • Selen 
  • Mangan
  • Kupfer
  • Molybdän 
  • Chrom

 

Sind die Mitochondrien bereits geschwächt, liegen hier häufig (mehrere) Mängel vor. Diese können mit Blutuntersuchungen oder hochmodernen Diagnosegeräten der Alternativmedizin nachgewiesen werden. Besteht ein Mangel, sollten die wichtigen Stoffe substituiert werden. Auch könnt Ihr auf ein niedrig dosiertes Kombinationspräparat zurückgreifen, um Eure Basisversorgung sicherzustellen. Ähnlich bin ich vorgegangen. Im Rahmen einer orthomolekularen Therapie (Mikronährstofftherapie) habe ich zunächst nachgewiesene Mängel ausgeglichen und bin dann auf eine Basisversorgung umgestiegen.

 

b) B-Vitamine

 

Die B-Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, B12, Biotin und Folsäure sind für den Stoffwechsel unerlässlich. Insbesondere bei Veganern und Vegetariern, aber auch bei Rauchern, häufigem Alkoholkonsum, ungesunder Lebensweise generell und Stress liegen häufig Mängel der wasserlöslichen Vitamine vor. Solche wirken sich insbesondere auf Nervensystem, Energiegewinnung, Magen-Darm, Haut und Schleimhäute sehr negativ aus. Fast immer wird als Symptom Müdigkeit und Energiemangel genannt.

 

Da B-Vitamine im Körper nicht gespeichert werden (bis auf B3 und B12), müssen sie regelmäßig über die Ernährung oder in Form von Supplements zugeführt werden. Hier bietet sich ein moderat dosierter, möglichst aus natürlichen Quellen extrahierter Vitamin B Komplex an, welcher alle hier genannten Vitamine beinhaltet. 

 

Werden eindeutige Mängel diagnostiziert oder möchten spezifische Reaktionen im Stoffwechsel im Rahmen einer orthomolekularen Therapie unterstützt werden (z.B. B2 zur Unterstützung der Atmungskette der Mitochondrien und zum Recycling von oxidiertem Glutathion), müssen einzelne B-Vitamine unter fachlicher Aufsicht hochdosiert eingenommen werden. Da B-Vitamine wasserlöslich sind und überschüssige Vitamine durch den Urin wieder ausgeschieden werden, ist eine Überdosierung unwahrscheinlich. 

 

c) Vitamin B12 

 

Vitamin B12 ist parallel zu den anderen B-Vitaminen nicht nur aufgrund seiner wichtigen Rolle im Stoffwechsel und Nervensystem elementar für Eure Gesundheit, sondern fungiert als Fänger von Stickstoffmonoxid (NO-Radikalen). Diese wirken toxisch auf Eure Mitochondrien und sind in erhöhter Konzentration häufig für Beeinträchtigungen und Schwächung Eurer Energieerzeuger verantwortlich (genaueres zu den Ursachen und Diagnose von erhöhtem NO in Teil 1). Da B12 beim Einfangen von NO verbraucht wird, führt erhöhter Nitrostress gleichzeitig zu B12-Mangel. 

 

Wird bei Euch daher Nitrostress nachgewiesen, solltet Ihr unbedingt zu hochdosiertem B12 greifen, um diesen unschädlich zu machen. Auch hier gilt: überschüssiges B12 wird im Urin wieder ausgeschieden. 

 

Wie so oft jedoch: B12 ist nicht gleich B12. Die meisten Supplements enthalten Cyanocobalamin, eine synthetische und die günstigste Form von B12. Dieses wird vom Körper schlechter aufgenommen, ist weniger effektiv im Neutralisieren von NO-Radikalen und sollte, aufgrund des in kleinen Mengen enthaltenen, giftigen Cyanids nicht ständig eingenommen werden. Effektiver und vorteilhafter sind hier die natürlichen Formen von Vitamin B12 - Hydroxocobalamin, sowie die daraus im Körper entstehenden bioaktiven Coenyzme Methylcobalamin und Adenosylcobalamin. 

 

Am wirksamsten vom Körper aufgenommen werden Injektionen (i.m./subkutan, beim Therapeuten). Daher empfiehlt sich, bei einem starken Mangel zur Auffüllung der Depots zunächst hiermit zu beginnen. Auch sublingual, also als Lutschtablette wird B12 gut aufgenommen. Ebenfalls sind auch ausreichend hoch dosierte Kapseln durchaus wirkungsvoll, selbst wenn hier ein ordentlicher Teil des Wirkstoffes den Darm ungenutzt passiert. 

 

Spezialisten empfehlen bei Nitrostress eine tägliche Zufuhr von B12 von 500 µg bis teilweise 5000 µg in Extremfällen. 

 

Eine Einnahme soll immer zusammen mit Biotin und Folsäure erfolgen, da deren Bedarf bei der Einnahme von B12 ansteigt. 

 

d) Vitamin D

 

Bei Vitamin D handelt es sich um ein fettlösliches Vitamin, welches an tausenden von Vorgängen und Reaktionen im Körper beteiligt ist. Positive Auswirkungen von Vitamin D auf die Gesundheit allgemein und auch unseren Stoffwechsel sind mannigfaltig und wurden lange unterschätzt. Außerdem fängt es ebenfalls NO-Radikale. Mittlerweile ist Vitamin D - zurecht - in aller Munde und wird insbesondere im Winter von vielen Menschen supplementiert. 

 

In unseren Breitengraden ist ein Mangel des "Sonnenvitamins" häufig, mit vielen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Von Oktober bis März fehlt dem Körper die Sonneneinstrahlung, um genügend Vitamin D zu produzieren und im Sommer sorgt die Lebensweise vieler ebenfalls dafür, dass der Körper mangels Sonnenexposition keine ausreichenden Mengen des Vitamins produzieren kann. Auch über unsere Ernährung nehmen wir bei weitem nicht genug Vitamin D auf. 

 

Klassische Folgen eines Vitamin D Mangels:

 

  • geschwächtes Immunsystem, häufige Infekte
  • Müdigkeit und Erschöpfung 
  • schlechte Stimmung, Depressionen
  • kognitive Einschränkungen 
  • mangelnde Calcium-Aufnahme im Darm
  • Osteoporose
  • Rückenschmerzen, Fibromyalgie 
  • schlechte Haut
  • Entstehung oder Verschlimmerung von chronischen Krankheiten bei langfristigem Mangel

 

Zur Einnahme empfohlen werden 1000-2000 IU täglich, bei nachgewiesenen Mängeln kann die Dosierung jedoch deutlich höher ausfallen, um den Speicher aufzufüllen. Testen lassen solltet Ihr hier den Spiegel des 25-OH-Vitamin-D3. Dieser wird in zwei verschiedenen Einheiten angegeben: ng/ml und nmol/l. Es sollten mindestens 30 ng/ml erreichet werden, dies entspricht 75 nmol/l. Wünschenswert wären jedoch über 40 ng/ml bzw. 100 nmol/l. 

 

Bei meinem ersten Test lag mein 25-OH-Vitamin-D3 Wert bei knapp unter 10 ng/ml. Ein starker Mangel. Ich begann anfangs mit 20.000 IU täglich zu supplementieren und stellte dann eine Erhaltungsdosis ein. Mittlerweile lasse ich meinen Wert regelmäßig kontrollieren und sorge für eine ausreichende Versorgung. Bestenfalls nehmt Ihr ein Kombipräparat aus Vitamin D3 + K2, da der Bedarf an K2 unter Einnahme von D3 steigt und diese als Team optimal wirken. 

 

e) Vitamin C

 

Vitamin C sollte ebenfalls eingenommen werden. Es ist ein starkes Antioxidans und bekämpft somit oxidativen Stress. Außerdem hat es im Körper jede Menge weitere positive Auswirkungen, etwa auf Immunsystem und Bindegewebe. 

Achtet beim Vitamin C insbesondere darauf, auf ein natürliches Vitamin C zurückzugreifen. Synthetische Ascorbinsäure wird vom Körper deutlich schlechter aufgenommen und kann zu Magenproblemen führen. Einige Hersteller extrahieren ihr natürliches Vitamin C daher etwa aus Acerolakirschen oder Hagebutten. Empfohlen wird die Einnahme von ca. 200 - 600 mg am Tag. 

 

f) Omega 3 Fettsäuren

 

Auch Omega 3 Fettsäuren sind mittlerweile im Bereich Nahrungsergänzung sehr bekannt. Sie schützen das Herz-Kreislauf-System, wirken sich positiv auf das Gehirn aus, beugen Demenz vor, schützen vor Arteriosklerose und Thrombose, sind (richtig eingesetzt) entzündungshemmend, schützen Haut, Augen und vor Infektionskrankheiten. Die Liste ist noch länger. Auch im Zellstoffwechsel spielen sie eine zentrale Rolle, sind sie doch wesentlich am Aufbau der Zellmembran der Mitochondrien beteiligt. 

 

Zu beachten ist jedoch, dass sich Omega 3 Fettsäuren bei oxidativem Stress aufgrund ihres sehr hohen Oxidationspotentials auch schädlich auswirken können. Hier ist eine Supplementierung kritisch und verschlechtert die Lage eher, als sie zu verbessern. Bevor Omega 3 Fettsäuren eingenommen werden, sollten oxidativer Stress und Nitrostress daher beseitigt werden. 

 

Durch unsere westliche Ernährungsweise mit wenig Verzehr von fettem Fisch, Meeresfrüchten, Lein- und Hanföl, grasgefüttertem Rind und bio Eiern ist das Verhältnis zwischen Omega 6 zu Omega 3 stark Richtung Omega 6 verschoben. Denn es sind ebendiese Lebensmittel, welche einen hohen Gehalt an Omega 3 Fettsäuren enthalten. Hierdurch werden entzündliche Vorgänge im Körper gefördert. Eine Supplementierung bzw. der Verzehr oben genannter Lebensmittel gleicht dieses Missverhältnis aus.

 

Doch Vorsicht: Zunächst einmal ist Fischkonsum in der heutigen Zeit nicht mehr uneingeschränkt zu empfehlen. Durch die Verseuchung der Weltmeere mit immer mehr Schadstoffen, z.B. Quecksilber, BPA, Dioxinen, Insektiziden, Antibiotika, sind diese zunehmend auch in Fisch enthalten. Insbesondere fettreiche und große Fische (z.B. Lachs, Thunfisch, Schwertfisch), welche viel Omega 3 Fettsäuren enthalten, sind am stärksten betroffen. Zusätzlich kommt unser Fisch häufig aus Zuchtfarmen, wobei er noch weiteren Schadstoffen ausgesetzt ist (Ausnahme: bio). Konzentriert Euch daher beim Kauf eher auf kleinere Fische, z.B. Makrele oder Sardellen. Diese sind auch sehr fetthaltig, aber viel weniger belastet. Greift alternativ zu aufgereinigten, qualitativ hochwertigen Präparaten, wie z.B. Krillöl oder Algenpräparaten. Hier erhaltet Ihr die Fettsäuren allerdings nicht in ihrer natürlichen Kombination mit unzähligen weiteren gesunden Stoffen, welche echter Fisch enthält. Keine leichte Wahl also. 

weitere und spezifischere supplements

Cordyceps sinensis 

 

Einer meiner absoluten Favoriten unter den Supplements ist der Cordyceps sinensis. Seit mehreren Jahren nehme ich diesen schon immer wieder in recht hohen Dosen zu mir. Vor allem bei starker Müdigkeit und geschwächter Nebenniere sehr zu empfehlen. 

 

Beim Cordyceps handelt es sich um einen der bekanntesten und wirkungsstärksten Heilpilze der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wild ist der Pilz insbesondere im Hochgebirge in Tibet und China zwischen 3000 und 5000 Metern Höhe zu finden. Aufgrund seiner Seltenheit und Wirksamkeit wird er seit einigen Jahrzehnten vom Menschen kultiviert - dies insbesondere in der Unterart Cordyceps CS-4, welche als Grundlage der meisten wissenschaftlichen Studien dient. Auch hier in Deutschland erfährt er, insbesondere bei Sportlern, immer größere Beliebtheit. 

 

Eine der Wirkungsweisen des Cordyceps ist, dass er offenbar direkt auf die Energieproduktion der Mitochondrien einwirkt und diese regelrecht boostet.

In einer Studie mit Mäusen erhöhte sich unter Einnahme von Cordyceps deren ATP (der "Treibstoff" unseres Körpers, s. Teil 1) in den Leberzellen um 45 - 55 %!.

Außerdem wird die Sauerstoffaufnahme und -verwertung des Körpers verbessert. Dies erklärt, warum er gerade unter Sportlern so beliebt ist. 

 

Zahlreiche Studien belegen folgende Wirkungen von Cordyceps:

 

  • steigert die Energieproduktion und wirkt somit gegen Müdigkeit, Erschöpfung und Schwäche 
  • steigert die Konzentrationsfähigkeit durch erhöhte Energie und Sauerstoffversorgung im Gehirn
  • wirkt aufgrund seines hohen Tryptophan-Gehalts und der verbesserten Energiesituation gegen schlechte Laune
  • steigert die sportliche Leistungsfähigkeit 
  • steigert außerdem Potenz und Libido auf vielfältige Weise. Hier liegt eines der Hauptanwendungsgebiete für den Cordyceps 
  • stärkt und moduliert das Immunsystem auf vielseitige Art und Weise
  • wirkt gegen Arthrose Schmerzen
  • wirkt positiv bei oxidativem Stress durch Erhöhung der SOD (Superoxid-Dismutase Enzym, Teil des körpereigenen antioxidativen Schutzsystems) 

 

Achtet darauf, Euch beim Kauf möglichst für ein biologisches Produkt zu entscheiden. Wichtig ist, dass hier ein 1:1 Extrakt verwendet wird, der Wirkstoff also nicht gestreckt wird. 

 

Coenzym Q10

 

Q10 ist mehr als nur das bekannte Anti-aging Mittel. Es hat zahlreiche Funktionen im Stoffwechsel, wirkt sich auf Entzündungen aus und ist ein wichtiger Radikalfänger. Bei unserer Energieversorgung spielt es insbesondere in der Atmungskette der Mitochondrien eine wichtige Rolle. Vor Allem bei älteren Menschen liegt aufgrund abnehmender Produktion regelmäßig ein Mangel vor. Auch bei gesteigerten Anforderungen an die Energieproduktion durch Stress, Sport, chronische Erkrankungen usw. kann eine Einnahme sinnvoll sein. 

 

Auf dem Markt findet man Coenzym Q10 in zwei Formen - das günstigere Ubiquinon, sowie die aktive und teurere Form Ubiquinol. Letztere wird besser vom Körper aufgenommen und ist ein stärkeres Antioxidans. Ich habe bereits beide mal eingenommen und auch mit Ubiquinon den erwünschten Blutwert erreicht. Dieses sollte höher dosiert werden als Ubiquinol, was aufgrund des geringeren Preises aber gut möglich ist.  

 

Glutathion

 

Glutathion ist das wichtigste und stärkste körpereigene Antioxidans in unserem Körper. Es kann in jeder Zelle synthetisiert werden und ist wesentlich an der Entgiftung unseres Organismus beteiligt. Insbesondere in der Leber spielt es eine überragende Rolle. Durch oxidativen und nitrosativen Stress, Umweltgifte, Paracetamol-Einnahme und erhöhten Stress kann ein Mangel an reduziertem (aktivem) Glutathion (GSH) entstehen. 

 

Lange waren Supplements mit Glutathion sehr schlecht bioverfügbar, sprich vom Körper aufnahmefähig. Im Magen-Darm-Trakt wird das zugeführte GSH größtenteils zerstört. Mittlerweile gibt es mit S-Acetyl-Glutathion eine stabile Form von Glutathion, welche den Verdauungstrakt ungehindert passieren kann und als ganzes vom Körper aufgenommen wird. Leider gibt es dieses nur bei wenigen Herstellern zu kaufen und ist oft sehr teuer. 

 

Bei Glutathion-Mangel, starkem oxidativem Stress oder chronischer Belastung mit Schwermetallen oder sonstigen Umweltgiften solltet Ihr eine Einnahme dennoch in Erwägung ziehen. 

 

NADH

 

NADH ist an über tausend Stoffwechselreaktionen beteiligt. Zusammen mit Q10 ist es zentral für die Produktion von ATP und sozusagen der zelluläre Brennstoff bei der Energieproduktion. Als starkes Antioxidans fängt es freie Radikale direkt in den Mitochondrien ein und kann deren Membran reparieren.

 

Spezifisch zu CFS (Chronic Fatigue Syndrom) und NADH gibt es kleine Studien, welche auf eine Wirksamkeit von NADH bei CFS-Patienten hinweisen. 

 

PQQ

 

PQQ wurde erst vor kurzem entdeckt und wird in der Biohacker-Szene(*) des Silicon Valley bereits als Wundermittel für die Mitochondrien gefeiert. Studien ergaben, dass es die Mitochondrien nicht nur schützt, sondern die Bildung neuer Mitochondrien in alternden Zellen anregt und vermehrt. Dies ist sonst nur durch sportliche Betätigung und Kalorienrestriktion möglich. Weiter wirkt es neuroprotektiv (nervenschützend) und schützt die Nerven vor den negativen Auswirkungen von oxidativem Stress und Nitrostress (etwa nach Traumata der Wirbelsäule oder Schlaganfall). 

 

Dave Asprey (*) nennt auf www.bulletproof.com u.a. folgende Vorteile von PQQ:

 

  • Erhöhung der Mitochondrienanzahl für mehr Energie
  • reduziert Entzündungen
  • boostet den Stoffwechsel
  • bekämpft oxidativen Stress
  • verbessert die Fruchtbarkeit 

 

(*) Biohacking bedeutet, die Einflüsse seiner Umwelt und Gedanken auf seinen Körper zu erforschen, zu verstehen und zu nutzen, um körperlich und mental maximal leistungsfähig zu sein. Einfach gesagt: man beeinflusst seinen Körper positiv, um fit und gesund zu sein und dies zu bleiben. Dave Asprey ist einer der Vorreiter der Szene und der Erfinder von Bulletproof Coffee. 

 

Astaxanthin 

 

Astaxanthin ist ein Carotenoid und der Farbstoff, welcher Lachse rosa färbt und stark macht. Es ist ein extrem starkes Antioxians. Studien haben gezeigt, dass es im Körper 20 mal stärker als Vitamin E und über 60 mal stärker als Vitamin C gegen oxidativen Stress wirkte. Weiter hemmt es Entzündungen, stärkt das Immunsystem und hilft bei der Entgiftung. Einige Sportler schwören auf eine gesteigerte Leistungsfähigkeit durch Astaxanthin. 

 

Greift wie immer zu natürlichen Präparaten. Hier wird das enthaltene Astaxanthin meistens aus Mikroalgen gewonnen.