Behandlung einer Nebennierenschwäche

Im letzten Artikel über die Nebennierenschwäche als Ursache für chronische Müdigkeit habt Ihr mehr über die Auswirkungen einer Schwächung der Hormondrüse erfahren. Nach langer andauernder körperlicher oder psychischer Stresseinwirkung kann sich die Leistung der Nebenniere, sogenannte Stresshormone (insbesondere Cortisol und DHEA) zu produzieren, erschöpfen. Da diese Hormone viele wichtige Funktionen in Eurem Körper haben, unter anderem Stresstoleranz und Energiebereitstellung, wirkt sich eine geschwächte Produktion stark auf Euer Allgemeinbefinden aus. 

 

Häufig als Begleiterscheinung längerer Erkrankungen vorhanden, sollte eine Nebennierenschwäche immer mit beachtet und ggf. therapiert werden. Auch bei mir war die Nebenniere immer wieder ein Thema, ich habe ihre Funktion regelmäßig unterstützt. Wie dies gut funktioniert, erfahrt Ihr in diesem Beitrag. 

 

1) Ursachen beseitigen 

 

Manchmal super schwierig, manchmal ziemlich straightforward und simpel. Das Wichtigste, um Eure Nebenniere zu regenerieren, ist die Beseitigung der Stressfaktoren, welche sie so stark geschwächt haben. Habt Ihr den ganzen Tag starken Druck im Job, ständig Deadlines, fühlt Euch unwohl im Team und steuert auf den Burn-Out zu, solltet Ihr hier schnell und definitiv gegensteuern. Seid Ihr dazu ständig müde, gestresst, schlecht drauf und angespannt, ist Eure Nebenniere sicherlich schon ein Thema. Ihr befindet Euch dann in dem Stadium, in dem die kleine Hormondrüse auf Vollgas läuft und vermehrt Cortisol freisetzt, um den täglichen Stress zu kompensieren. Und irgendwann kommt der Crash. Ein guter Zeitpunkt eine Auszeit zu nehmen, um Eure Nebennieren nicht komplett zu erschöpfen. Kein Job der Welt ist es wert, Eure Gesundheit zu opfern. Gleiches gilt in allen anderen stressigen Lebenssituationen, wenn sie Eure Leistungsgrenzen überfordern.

 

Schwieriger wird es, wenn die Nebennierenschwäche von körperlichem Stress getriggert wird. Hier muss der Stressor zunächst identifiziert werden, um ihn dann zu beseitigen. Dies können letztlich all jene Faktoren sein, die Euch auch ohne geschwächte Nebennieren erschöpfen: chronische virale und bakterielle Infektionen, Darmdysbiose und Candida-Infektion, Schwächung der Mitochondrien, chronische Entzündungen, Toxinbelastungen und Unverträglichkeitsreaktionen, welche Euer Immunsystem ständig aktivieren. Ein ganzheitlich denkender Arzt oder guter Heilpraktiker kann Euch helfen, das Problem zu erkennen und zu beseitigen. 

 

Zusätzlich sollten die anderen Hormonsysteme der Schilddrüse und Sexualhormone überprüft und ggf. mitbehandelt werden, da diese ebenfalls aus der Balance geraten sein können.

 

Ein persönliches Beispiel: meine geschwächte Nebenniere konnte ich auf eine Kombination aus schweren, zunächst unbehandelten Infektionen (Borreliose, EBV), systemische Candida-Infektion, chronische Entzündungen, Schwächung der Mitochondrien, häufige Antibiotika-Therapie und den Stress, trotz allem zu funktionieren, Sport zu treiben und meine eigenen hohen Anforderungen in der Ausbildung zu erfüllen, zurückführen. Kein Wunder, dass die Nebenniere da auch etwas zickt, oder?

 

2) Erholung, Entspannung, Schlaf, leichte Bewegung

 

Die zweite wichtige Säule ist Stressabbau und Enstpannung. Nachdem Ihr die Auslöser der Nebennierenschwäche beseitigt habt, solltet Ihr es nun genießen, Euch zu erholen, um den Körper wieder aufzutanken. Hier einige spezifische Empfehlungen für die Regeneration Eurer Nebenniere: 

 

  • früh ins Bett gehen, wenn möglich gegen 22.00 Uhr 
  • lange schlafen, wenn möglich mindestens bis 8.00 Uhr
  • Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, etc. praktizieren
  • positiv denken, schöne Dinge tun, negative Gedanken vermeiden
  • die Schlafqualität erhöhen, um wirklich erholsam zu schlafen (Tipps hierzu findet Ihr hier)
  • leichten Ausdauersport oder leichtes Krafttraining betreiben, spazieren gehen, raus an die frische Luft. All das ist super für die Entspannung. Vorsicht: langsam anfangen und nicht übertreiben. 

 

In späteren Stadien einer Nebennierenschwäche ist es gut möglich, dass Euer Organismus trotz Beseitigung der Ursachen noch eine ganze Weile voll unter Stress steht. Denn es dauert eine ganze Weile, bis die Stresshormone wieder in gesundem Maße produziert werden. Entspannen, Einschlafen und Durchschlafen fallen dann nicht leicht, Gedanken können weiter kreisen, bereits kleinste Faktoren oder Gedanken können großen Stress auslösen. Auch wenn schwierig, ist es hier umso wichtiger, Körper und Geist zur Ruhe zu bringen. Übt Euch in Meditation, praktiziert Achtsamkeit wann immer möglich, entfernt negative Gedankenmuster und Emotionen, helft Eurem Körper durch Routinen und Supplements beim Einschlafen. Damit durchbrecht Ihr den Teufelskreis!

 

3) Gesunde Ernährung

 

Ebenfalls ein wichtiges Element, um Eure Nebenniere zu regenerieren, ist eine gesunde, ausgewogene und regelmäßige Ernährung. Besonders wichtig ist auch hier der Verzicht auf Zucker und kurze Kohlenhydrate, außerdem Transfette (z.B. Pommes, industriell gehärtete Pflanzenfette) und alles, was Ihr nicht gut vertragt. 

 

Zucker in jeglicher Form (Fruchtzucker, Süßigkeiten, süße Getränke, Backwaren, sehr viele fertige Lebensmittel) und kurze Kohlenhydrate (solche mit hohem glykämischen Index wie Weißmehl, Nudeln, weißer Reis und Kartoffeln) setzen Eure Nebenniere unter Stress. Der Grund: Alle Kohlenhydrate werden im Körper zu Glucose verstoffwechselt, der Blutzuckerspiegel steigt an. Damit aus der Glucose Energie in den Mitochondrien gewonnen werden kann, schüttet der Körper Insulin aus, um die Glucose in die Zellen zu transportieren. Bei kurzen Kohlenhydraten in hohen Mengen wird der Körper regelrecht mit Insulin geflutet, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Da häufig zu viel Insulin ausgeschüttet wird und Insulin länger im Blut bleibt, als Glucose, kommt es schnell zu einer Unterzuckerung. Ihr bekommt wieder Lust auf was Süßes, Eure Leistung fällt ab, ihr fallt ins Mittagstief. Um diese körperliche Stressreaktion abzufangen, muss nun plötzlich Cortisol aus der Nebenniere ran, welches die Aufgabe hat, Insulin zu regulieren und als dessen Gegenspieler wirkt. Die Nebenniere wird zusätzlich unter Stress gesetzt. Ist die Ausschüttung von Cortisol bereits beeinträchtigt und erniedrigt, kommt es umso mehr zu Unterzuckerung, da die Nebenniere dem überschüssigen Insulin nichts mehr entgegensetzen kann und so der Blutzuckerspiegel zu stark abfällt. Greift Ihr zu komplexen Kohlenhydraten, kommt es zu einer wesentlich sanfteren Insulinausschüttung und der Stress ist viel geringer. 

 

Nach dieser, zugegebenermaßen etwas technischen Ausführung, hier einige grundsätzliche Tipps, welche Ernährung Euch bei Nebennierenschwäche gut unterstützen kann:

 

  • komplett auf Zucker und kurzkettige Kohlenhydrate verzichten. Greift stattdessen z.B. zu Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Süßkartoffeln
  • auf ein ausgewogenes, gesundes Verhältnis von komplexen Kohlenhydraten, Protein und gesunden Fetten bei jeder Mahlzeit achten, viel Gemüse essen, gut salzen
  • gesunde Proteine sind dabei etwa: gutes Fleisch, Fisch, Eier, Bio-Soja, Hülsenfrüchte (hier gibt es mittlerweile tollen Nudelersatz: Nudeln aus Linsen-, Erbsen- oder Kichererbsenmehl). Gute Fette: Olivenöl, Bio-Butter, Kokosöl, MCT-Öl, Avocado, eine handvoll Nüsse, wenig Leinöl oder Hanföl. Verzicht auf Milchprodukte, außer Butter.
  • regelmäßig essen, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und genügend Energie zuzuführen
  • ggf. vor dem Schlafengehen noch eine Kleinigkeit aus komplexen Kohlenhydraten und gutem Fett snacken, damit der Blutzuckerspiegel über Nacht nicht abfällt. Dies kann den Schlaf enorm beeinflussen.
  • stimulierende Substanzen wie Koffein (Kaffee, Tee) meiden. Sie machen zwar kurzfristig wacher, setzen die Nebennieren aber unter Stress und sorgen für eine vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen
  • auf Alkohol und Tabak verzichten bzw. den Konsum minimieren 
  • auf radikale Diätformen wie Keto verzichten. Diese können sich in anderen Situationen äußerst positiv auswirken, verursachen aber, insbesondere in der Umstellungsphase, zusätzlichen Stress im Körper. 
  • möglichst bio essen, um Schadstoffbelastung, welche den Körper ebenfalls stresst, zu vermeiden

 

  • achtet außerdem unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Kräutertees 

 

Bald werde ich über meine Auffassung zu grundsätzlich gesunder Ernährung einen eigenen Artikel verfassen. Bleibt also dran. 

 

4) Supplements zur Unterstützung der Nebenniere

 

Häufig genügen oben genannte Maßnahmen alleine nicht mehr, um eine fortgeschrittene Nebennierenschwäche auszuheilen. Hier gibt es einige Supplements, welche die Nebennieren stärken und ihre Regeneration unterstützen. Über das eine oder andere habe ich im Rahmen der Mitochondrientherapie bereits etwas ausführlicher berichtet. Achtet auch hier wieder auf qualitativ hochwertige, natürliche und reine Präparate (worauf Ihr bei Supplements generell achten sollt demnächst im Blog).

 

Insbesondere in schwereren Fällen sollte sehr sensibel vorgegangen werden. Ähnlich wie in der Ernährung sollte auch hier auf stimulierende Substanzen, etwa Ginseng, Ashwagandha, Ingwer usw. zunächst verzichtet werden, um die Nebennieren nicht zusätzliche zu stressen und damit zu überfordern. Arbeitet mit einem guten Heilpraktiker oder Komplementärmediziner zusammen.

 

Cordyceps sinensis 

 

Dieser wirkungsvolle Heilpilz aus den Höhenlagen Tibets und Chinas wird in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten zur Stärkung bei Schwächezuständen und Erhöhung der Stresstoleranz eingesetzt. Zahlreiche Studien belegen mittlerweile seine beeindruckende Wirkung. Speziell auf die Nebennieren wirkt er unterstützend, erhöht die Energieproduktion in den Mitochondrien und die Sauerstoffzufuhr im Körper.

 

Mineralien-Haushalt

 

Es sollte ein ausgeglichener Mineralstoffhaushalt vorliegen. Nehmt für Eure Ernährung großzügig reines Meersalz. Auch ein Teelöffel Meersalz oder Himalaya Salzsole am Morgen in Wasser aufgelöst kann gut wirken. In fortgeschrittenen Stadien fehlt es dem Körper aufgrund der verminderten Ausschüttung von Aldosteron an Natrium. Greift alternativ auf einen Multimineralien-Komplex zurück. Wichtig für die Nebennieren sind in dieser Gruppe besonders auch Magnesium, Zink und Kupfer.

 

Vitamin C 

 

Sehr wichtig bei der Regeneration der Nebennieren. Achtet auf natürliche Quellen.

 

Vitamin B5 (Panthotensäure)

 

Spezifisch Vitamin B5 ist am Aufbau von Coenzym A und von Stresshormonen in der Nebennieren beteiligt. Es stärkt damit ihre Funktion und kann so gegen Müdigkeit und Stress wirken. 

 

Vitamin E

 

Auch Vitamin E spielt im Stoffwechsel der Nebennieren eine wichtige Rolle. Eine Supplementierung ist jedoch nicht generell zu empfehlen, da die meisten Produkte nur Alpha-Tocopherol und nicht alle der 8 Tocopherole enthalten. Auch hochdosiert sollte Vitamin E nicht eingenommen werden. Empfehlen lässt sich Weizenkeimöl oder rotes Palmöl, welche beide alle Tocopherole in natürlicher Form enthalten.

 

Vitamin B-Komplex

 

Aufgrund der zahlreichen Funktionen im Energiestoffwechsel ist eine gute Versorgung mit allen B-Vitaminen auch für die Nebenniere von Vorteil.

 

Aminosäuren 

 

Bei Nebennierenschwäche häufig schlechtere Verwertung. Ein gutes Mischpräparat kann hier helfen. 

 

Bioidentische Hormone

 

Einige Experten empfehlen bei fortgeschrittener Nebennierenschwäche die Einnahme von niedrig dosiertem natürlichem Cortisol, DHEA und/oder Pregnenolon, um die Nebennieren zu entlasten und die Heilung zu beschleunigen. Die Stimmen unter den Experten gehen jedoch auseinander. Andere sind gegen die Einnahme bioidentischer Hormone, da hierdurch die Nebenniere das Signal erhalten könnte, noch weniger der Stresshormone zu produzieren, da diese bereits ausreichend vorhanden sind. Der Schlüssel ist hier wohl der Einsatz zum richtigen Zeitpunkt und in ausreichend niedriger Dosierung. Besprecht dies mit einem echten, ganzheitlichen Hormonspezialisten und lasst Euch nicht durch "Möchtegern-Spezialisten" zur Einnahme von Hormonen bewegen. Ich selbst war ebenfalls während meiner antibiotischen Borreliose-Behandlung kurz davor Cortisol zu nehmen, habe dann aber davon abgesehen. DHEA und Pregnenolon habe ich bereits supplementiert, hier bestehen wohl kaum Bedenken.

 

Speziell bei Schlafproblemen:

 

Magnesium 1-2 Stunden vor dem Einschlafen, empfohlen werden 200-400 mg.

 

Tryptophan Direkt vor der Nachtruhe, empfohlen werden 500-1000 mg.